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125. Todestag von Friedrich von Bodenstedt

21. April 2017
Ein Welterfolg im 19. Jahrhundert: "Die Lieder des Mirza Schaffy". Foto: Stadtarchiv Peine
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Peine. Im April jähren sich der Geburts- und der Todestag des Peiner Dichters Friedrich von Bodenstedt. Aus diesem Anlass gibt das Stadtarchiv ein Sonderblatt heraus.

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Aus „Friedrich von Bodenstedt: Italienische Reise 1847/48“ von Michael Utecht

Das Manuskript über die „Völker des Kaukasus“ war so gut wie fertiggestellt und ein lukrativer Vertrag mit dem Verleger unter Dach und Fach. Also auf nach Italien – wohin es Friedrich von Bodenstedt “mächtig zog“. Von München aus ging es im Oktober 1847 los. Eine rund sechsmonatige Tour sollte es werden, die aber nicht auf einen Urlaubstrip im heutigen Sinne hinauslief. Zum einen blieb er von den damals in Europa grassierenden kriegerischen Auseinandersetzungen nicht unbehelligt und natürlich setzte sich der Peiner Dichter auch in Italien, wie schon bei seinem Aufenthalt im Orient (1843–1845), mit den gesellschaftlichen und politischen Zuständen, der Kultur und Geschichte des Landes auseinander. Dazu eignete er sich autodidaktisch italienische Sprachkenntnisse an.

Auf seiner Reiseroute lagen unter anderen Mailand, Turin, Genua, Florenz und Rom. „Ein mit Schneestürmen verbundenes Winterwetter“ verleidete ihm den Aufenthalt in Turin: Es war noch unerträglicher „als die größte Kälte in Rußland, weil kein Schutz dagegen zu finden war; denn der Ofen in meinem Zimmer befand sich in einem Zustande, daß ich, um vor Rauch nicht umzukommen, die Fenster öffnen mußte, wenn geheizt wurde.“ Von der Stadt Rom war er besonders beeindruckt und fühlte sich dort bald so schnell heimisch, wie nie zuvor in einer fremden Stadt, „wo ich nichts von dem vermißte, was mir früher das Leben lebenswert gemacht hatte. […] Keine Stadt, seit ich Tiflis verlassen, hat mir soviele poetische Anregungen geboten wie Rom.“ Die beschaulichen Tage in der „Wunderstadt Rom“ waren jedoch gezählt. Im März 1848 wurden die revolutionären Aufstände – man wollte die österreichische Herrschaft abschütteln – zunehmend heftiger und Bodenstedt entschloss sich abzureisen.

Die „närrische Kriegsgefangenschaft“ endete nach einer Woche

Reibungslos verlief die Heimreise jedoch nicht: In Florenz kam er mit seinem Pass, auf dem er als Hannoveraner, „also italienisch als ‘Annoverano‘ oder ‘Annovarese‘ bezeichnet war, noch glücklich durch.“ Das sollte sich jedoch bald ändern. Als verhängnisvoll erwies sich der Passeintrag „Annoverese“, denn er erweckte „den Verdacht der Späherschaft“. So wurden er und seine Mitreisenden von einer Gruppe italienischer Soldaten als vermeintliche Spione festgenommen, nach Venedig transportiert und eingesperrt. Mit Hilfe des dort lebenden deutschen Lyrikers Stieglitz wurde er schließlich nach knapp einer Woche aus der „närrischen Kriegsgefangenschaft“ entlassen. Umgehend ging es „in der vierten Stunde morgens“ an Bord eines kleinen Segelschiffes mit Kurs Triest: „Es war das schäbigste Fahrzeug, das ich jemals betreten.“ Nach stürmischer Überfahrt und kurzem Aufenthalt in Triest setzte er die Reise nach Frankfurt fort – und hatte hier zu allererst ein finanzielles Desaster zu verkraften: Den Bankrott seines Verlegers.

Weitere spannende Reisedetails sind nachzulesen im aktuellen Sonderblatt des Stadtarchivs, das ab sofort in folgenden Einrichtungen kostenlos erhältlich ist: Stadtarchiv, Stadtbücherei, Rathaus (Bürgerbüro) und Kreismuseum sowie im Internet als pdf-Datei zum Download unter http://www.peine.de/

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