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Ausgrabungsergebnisse: Baugebiet Vöhrum „Nördlich Hainwaldweg“

12. Oktober 2017
Historische Karte der alten Grenze von Johann Heinrich Schröter ( 1740) mit Stauteichen. Rechts des Knickteiches, der vermutlich im Mittelalter noch etwas größer war, liegt der Untersuchungsbereich im heutigen Baugebiet Hainwaldweg. Karte: Stadtarchiv Peine, Fotos: Thomas Budde
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Vöhrum. Wie schon im Sommer 2016 berichtet wurde, konnte im Neubaugebiet Vöhrum erstmals die dreifach gestaffelte Grabenanlage der Vöhrumer Landwehr, nach welcher der Ortsteil benannt ist, archäologisch nachgewiesen werden. Der Archäologe Thomas Budde teilte nun weitere Ergebnisse seiner Forschungen mit.

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Die Vöhrumer Landwehr diente im späten Mittelalter vom 13. bis 15. Jahrhundert als Grenzschutzanlage zwischen dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg im Norden und dem Stift Hildesheim im Süden. Durch Profilschnitte und einen Vergleich mit der zur selben Grenze gehörigen Landwehr im Woltorfer Holz konnte auf eine dreifache Wall-Grabenanlage von 25 Meter Breite geschlossen werden. Hinzu kommt die Landgrabenniederung selbst und eine durch Flurnamen („Knick“) belegte Wehrhecke, die auf den Wällen und vermutlich auch im Vorgelände angepflanzt war, und die Anlage insgesamt zu einem schwer überwindbaren Hindernis machte. Am Westrande des Baugebiets wurde zudem ein Grenzübergang („Schlag“) zur nördlich gegenüber liegenden Wüstung Groß Vöhrum („Groten Vorden“) nachgewiesen.

Ein freigelegter Teil des komplexen westlichen Grabensystems der mittelalterlichen Landwehr, das sich dunkel im gelben Sand abhebt. Dahinter die Senke des ehemaligen Knickteiches, im Hintergrund der Hainwald.

Im Herbst und Winter 2016-17 ermöglichte ein weiterer Bodenabtrag eine Fortsetzung der flächigen Untersuchungen nach Osten, so dass die Landwehr in gesamter Breite des Baugebietes auf 130 Meter Länge erfasst werden konnte. Die Grabenanlage schwang hier deutlich nach Süden aus, um sich dem Ufer des früheren „Knickteiches“ anzupassen, einem der beiden Stauteiche, die jeweils an den Grenzübergängen als zusätzliches Hindernis in die Befestigungslinie eingefügt waren. Der verlandete Teich ist heute noch gut im Gelände zu erkennen. Vor allem aber wurde das Grabensystem hier deutlich komplizierter: Zu den drei Hauptgräben kamen drei weitere hinzu. Ein breiter Graben stellte zusätzlich am unteren Hang die Verbindung zum Knickteich her. Hinzu kamen sechs Quergräben, welche die Hauptgräben kreuzten. Dieses gitternetzartige Grabensystem dürfte sich außerhalb des Baugebietes nach Westen parallel zur Landgrabenniederung weiter fortsetzen. Ein Bezug zum Knickteich ist offensichtlich.

Geschnittener unterster Graben der Landwehr, der ehemals ein Stück weiter in den Knickteich eingemündet sein muss. Wie die meisten Landwehrgräben war er als Spitzgraben ausgebildet.

Novum in der Landwehrforschung weit und breit

Die am oberen Hang in flachen künstlichen Quellmulden beginnenden Quergräben stellten offenbar einen Wasseraustausch zwischen dem vom Landgraben gespeisten Knickteich und den Landwehrgräben her. Durch den Einsatz von Wehren konnten diese somit wasserführend gemacht werden, was einen Grenzübertritt zusätzlich erschwerte. Dies wäre eine plausible Deutung für dieses Grabensystem, das bisher ein Novum in der Landwehrforschung weit und breit darstellt. Im Juli/August 2016 konnte schließlich auch die Landgrabenniederung selbst baubedingt in einem Querschnitt von 9 Metern Breite untersucht werden. Stark abweichend vom derzeitigen kanalisierten Bachlauf konnte dabei das alte, unter modernen Auffüllungen liegende, breite Bachbett des Landgrabens, der früher „Flottriede“ hieß, im Niedermoortorf der Senke freigelegt werden. In vier mit dem Minibagger quer zur Senke angelegten Suchschnitten wurden insgesamt 15 unter dem Grundwasserspiegel liegende Holzbefunde erfasst.

Es handelt sich um bearbeitete Eichenstämme verschiedener Größe. Sie dürften in irgendeiner Form entweder zur Landwehrbefestigung und/oder zu den Stauvorrichtungen des Knickteiches gehört haben. Das Grundwasser verhinderte jedoch weitere, klärende Untersuchungen. Ein knapp 3,50 Meter langer, fest im Torf auf dem darunter liegenden Kies verkeilter Stamm einer Mooreiche konnte komplett geborgen werden. Der wohl als Uferbefestigung dienende Stamm wurde als mögliches Exponat in Vöhrum eingelagert.

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