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Kolumne

Wenn die Finger schneller sind als das Hirn…

10. Januar 2018
von
Empathie unterscheidet den Menschen vom Tier. Symbolfoto: Nick Wenkel
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Das neue Jahr ist erst wenige Tage alt und doch reicht es, um mittelschwer aus der Haut zu fahren. Über die immer noch nicht existente Regierung bedarf es keiner Worte - läuft schließlich auch ohne ganz gut. 2018 knüpft jedoch auch an anderer Stelle nahtlos da an, woran es auch schon im alten Jahr mangelte: Dem fehlenden Anstand, vor allem im Netz.

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Dabei soll an dieser Stelle keine soziokulturelle Debatte losgetreten werden. Vielmehr geht es um die kleinen und großen Dinge des digitalen Alltags. Dem Zusammenleben an sich, im Zeitalter der Bits- und Bytes sozusagen. Anstand, so definierte es meine Großmutter, ist der Respekt voreinander. Es bedeutet mehr als dem Partner die Tür aufzuhalten oder in die Jacke zu helfen. Anstand beginnt und wächst von Kindesbeinen an im Privaten und bereitet den Menschen auf die Partizipation an unserer Gesellschaft vor. Scheinbar geht uns das jedoch mehr und mehr abhanden. Ein Blick in die sozialen Netzwerke reicht, um zu erkennen, dass es nicht der Anstand ist, der die Welt im Inneren zusammenhält. Wenn sich in den Kommentarleisten Aufrufe zur Lynchjustiz häufen und sogar Zuspruch erfahren, werden Grenzen überschritten. Beleidigungen gehören da schon zum guten Ton.

Schippe ufn Kopp und gut

Im Kindergarten sind solche Auseinandersetzungen schnell gelöst – Schippe ufn Kopp und gut. Funktioniert vom Rechner aus nicht wirklich. Wie also reagieren? Dass es mit simplen Entfernungen der Kommentare oder auch mit einer Sperrung des Zugangs (AfD ick hör dir trapsen) nicht getan ist, haben jüngste Ereignisse gezeigt. Wer schwingt sich also auf zum Meister der Zensur? Alle sollten dies tun! Anstand bedeutet nämlich nicht nur, den Respekt vor anderen zu wahren, sondern auch den Respekt vor sich selbst nicht zu verlieren. Empathie ist hier das Stichwort. Sich in andere hineinversetzen zu können unterscheidet den Menschen vom Tier. Oftmals würde es schon reichen fünf Sekunden nachzudenken, bevor man mit der Enter-Taste seinen Gefühlen mal wieder freien Lauf lässt.

Im Übrigen lob ich mir da die reale Welt: Wenn der Chefalkoholiker in der Stammkneipe am Ende der Nacht meint, seine verqueren Weisheiten mit den Gästen teilen zu müssen, so wird er ohne Umschweife vom Wirt zum Ausgang begleitet. Wenn das nicht reicht, auch gern mit Nachdruck oder Hilfe der Gäste. Warum gelingt uns das nicht auch im Netz?

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