Giardien: Parasiten machen Tier und Mensch das Leben schwer

2. August 2018 von
Oft werden junge Hunde und Katzen von einem fiesen Darmparasiten befallen. Symbolfoto: pixabay
Region. Kürzlich musste das Tierheim Peine schließen, da viele Tiere von einem wirklich fiesen Darm-Parasiten heimgesucht wurden. Von Giardien, wie die Parasiten heißen, sind häufig junge Hunde und Katzen betroffen. Die Krankheit ist schwer in den Griff zu bekommen und leicht übertragbar- auch auf den Menschen.

Akute Durchfälle mit Erbrechen oder chronisch wiederkehrende Durchfälle mit Gewichtsverlust, schleimiger Kot und Blähungen können erste Warnsignale dafür sein, dass sich das Haustier mit dem Parasiten angesteckt hat. In rund 70 Prozent der Fälle sind Jungtiere betroffen. Auslöser können neben der Übertragung von Tier zu Tier, auch Stress oder eine Futterumstellung sein. 

„Die Parasiten sind teilweise schwer zu erkennen, die Routinediagnostik sollte aber mittlerweile in jede Tierarztpraxis gehören“, sagt die Hornburger Tierärztin Dr. Mareike Stelzmann. Um eine Erkrankung mit dem Parasiten nachweisen zu können, werden in ihrer Praxis Schnelltests durchgeführt. Für eine genauere Untersuchung werden die Proben aber auch noch in einem externen Labor untersucht. Dazu muss der Tierhalter eine Kotprobe seines Vierbeiners abgeben. 

Hygiene ist oberstes Gebot 

Das Katzenklo sollte peinlich genau sauber gehalten werden.

Der Parasit ist extrem hartnäckig uns muss mit Medikamenten, in den meisten Fällen Antibiotika, behandelt werden. Zudem ist Hygiene das oberste Gebot. Katzenklo, Näpfe, Decken, Kissen und Spielzeug sollten regelmäßig – möglichst mehrmals täglich – und intensiv mit kochendem Wasser gereinigt werden. Kot sollte mehrmals täglich aus dem Katzenklo entnommen und in einem verschlossen Beutel entsorgt werden. „Die Umgebungshygiene ist sehr wichtig, da die Cysten lange in der Umwelt persistieren können und es immer wieder zu Re-Infektionen kommen kann. Zusätzlich ist es wichtig, die geschädigte Darmschleimhaut durch spezielles Diätfutter und ‚gute Darmbakterien‘ zu regenerieren“, so Mareike Stelzmann. 

Wer das Gefühl hat, dass das Problem mit den Giardien erst jetzt besonders häufig und aggressiv auftritt, dem sei gesagt, dass der Parasit keineswegs neu ist. „Er wurde früher eben nicht so oft abgeklärt und konnte sich dadurch gut ausbreiten“, so die Tierärztin. 

Auch der Mensch ist gefährdet

Prof. Dr. Kinan Rifai, Chefarzt der Klinik für Innerer Medizin und Gastroenterologie. Foto: Anke Donner

Giardien sind nicht nur gefährlich für das Tier. Auch auf den Menschen können die Parasiten übertragen werden. Prof. Dr. Kinan Rifai, Chefarzt für Innere Medizin im Städtischen Klinikum Wolfenbüttel, erklärt, wie sich der Parasit auf den menschlichen Organismus auswirkt und wie er bekämpft wird. 

„Im Menschen können Lamblien sich im Dünndarm vermehren, aber auch als Zysten außerhalb des Körpers persistieren. Im Dünndarm kann eine entzündliche Reaktion auftreten und auch eine Störung der Verdauung durch Einfluss auf die Verdauungsenzyme“, so Rifai. 

Meldepflichtig

Die Infektion erfolge typischerweise über kontaminiertes Wasser oder Lebensmittel, aber auch von Mensch zu Mensch. In Deutschland sei eine solche Infektion beim Menschen eher ungewöhnlich – etwa 3.500 gemeldete Fälle jährlich laut Robert-Koch- Institut. Es sei aber eine hohe Dunkelziffer anzunehmen. Weltweit betrifft es aber wohl bis zu 10 Prozent der Bevölkerung. Rund 50 Prozent der Infektionen in Deutschland seien im Ausland erworben worden. „Bei Infektion mit Giardien in Deutschland besteht Meldepflicht gegenüber dem Gesundheitsamt“, so der Chefarzt. 

Symptome und Behandlung

Nach einer Inkubationszeit von etwa einer Woche beginnen typischerweise die Symptome mit Druckgefühl im rechten Oberbauch und leichter Übelkeit. Durch die Verdauungsstörungen kann es zu Durchfall und Blähungen kommen. „Der Stuhl kann voluminös und fettreich sein. Bei längerem Befall kann es zu Gewichtsverlust und bei Kindern zu Gedeihstörungen kommen. Behandelt wird mit parasitenwirksamen Antibiotika wie Metronidazol, die meist gut verträglich sind“, erklärt Prof. Dr. Kinan Rifai. 


Ein Kommentar von regionalHeute.de-Redakteurin Anke Donner:

Giardien sind eine wirklich fiese Sache. Meine fünf Monate alte Katze Nero und ich haben diese Erfahrung gerade erst machen müssen. Das kleine Tierchen litt nur wenige Wochen nachdem es bei mir eingezogen ist, unter andauerndem Durchfall und Blähungen. Sie hatte einen richtigen kleinen Blähbauch. Das ist nicht nur unangenehm für die Katze, sondern auch für den Menschen. Nachdem die Diagnose vom Tierarzt gestellt wurde, begann eine anstrengende Zeit. Nero bekam eine Antibiotika-Kur und eine Paste gegen den Durchfall. Zudem noch spezielles Futter. Leckerlies und anderes Futter waren tabu. Möglichst nach jedem Toilettengang musste der Katzenpo abgewischt werden. Denn durch das eigene Putzen der Katze kann der Parasit wieder aufgenommen werden. Ein wirklicher Teufels-Kreislauf. Und natürlich musste auch alles andere schnell gereinigt werden. Klo, Näpfe, Decken, Spielzeug und Kissen wurden regelmäßig gewaschen. Der Inhalt der Katzentoilette wanderte jeden Abend in die Tonne. Die Fußböden wurden mit Desinfektionsmittel gewischt. 

Nero ist ihre Parasiten los.

Das alles ist eine aufwändige und zeitintensive Prozedur. Zudem geht es auf den Geldbeutel, denn Tierarztbesuche und Spezialfutter kosten eben. Doch wer seinen Vierbeiner liebt und möchte, dass es ihm gut geht, sollte sich unbedingt an die Vorgaben seines Tierarztes halten und keine Kosten und Mühen scheuen. Denn nur so kann garantiert werden, dass der Parasit ausgerottet wird. Ergreift man die Maßnahmen nicht, kann das Tier schwere gesundheitliche Folgen davon tragen. Es kann sich sogar zu einer chronischen Krankheit entwickeln.

Bei uns hat sich die Mühe gelohnt. Nach drei Wochen ergab eine Laboruntersuchung, dass keinerlei Parasiten mehr nachgewiesen werden können. Nero ist gesund und quietschfidel. Das war sie übrigens auch während der Erkrankung. Sie wirkte nicht krank oder abgeschlagen.

Nach wie vor wird aber noch jeder Toilettenbesuch genau beobachtet und auch ein erhöhter Hygienestandard wird aufrecht erhalten. Denn Giardien können jederzeit wiederkehren. Nicht jeder Durchfall muss ein Parasitenbefall sein – aber lieber einmal zu viel kontrolliert, als zu wenig! 

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