Hitze vertrocknet Landwirten die Ernte

9. Juli 2018 von
Derzeit sind die Landwirte der Region mitten in der Getreideernte. Doch stellenweise drohen hohe Einbußen. Fotos: Anke Donner
Region. Die ganze Region ächzt unter den heißen Temperaturen. Und auch den Landwirten macht die andauernde Trockenheit zu schaffen, wie Hans Kasinger, Vorstandsmitglied Niedersächsisches Landvolk Braunschweiger Land für die Stadt Salzgitter und Kreislandwirt Ernst-Andreas Schrader wissen. Aufgrund der Trockenheit müsse man mit Ernte-Einbußen rechnen.

Auch wenn in den kommenden Tagen die Temperaturen leicht absinken sollen und ab und an auch mal eine Regenwolke in Sicht kommt, ist das für die Gersteernte nicht mehr relevant. Das Getreide war der wochenlangen Trockenheit ausgesetzt, was nun unumgängliche Auswirkungen auf den Ertrag haben wird. 

Wie das Niedersächsische Landvolk Braunschweiger Land auf Nachfrage von regionalHeute.de mitteilte, sei in der gesamten Region mit Ernte-Einbußen von bis zu 60 Prozent zu rechnen. Viele Landwirte müssten nun viel früher als üblich die Gerste einbringen. Im Normalfall würde man erst in etwa zwei Wochen mit der Ernte beginnen. Doch die Trockenheit der vergangenen Tage und Wochen habe dazu geführt, dass das Getreide bereits jetzt reif ist und geerntet werden muss. Klingt im ersten Moment nicht so schlecht. Doch die Krux liegt in der Trockenheit. Die führt dazu, dass der Feuchtigkeitsgrad in den Früchten geringer ist, was wiederum dazu führt, dass Pflanze und Körner kleiner sind und die Menge der Körner geringer. Ergo: Weniger Ertrag und mitunter eine schlechtere Qualität. 

Verluste unterschiedlich

Ernst-Andreas Schrader und Hans Kasinger in einem Weizenfeld am Hof von Kasinger.

Da der Großteil der Gerste zu Tierfutter verarbeitet wird, trifft das vor allem die Bauern, die ihr Vieh damit füttern müssen. Von hohen Verlusten in der Ernte seien vor allem die Region rund um Gifhorn und Helmstedt betroffen, weiß Hans Kasinger, Vorstandsmitglied Niedersächsisches Landvolk Braunschweiger Land für die Stadt Salzgitter. In Salzgitter, so Kasinger, gehe man von nicht ganz so hohen Verlusten aus. Mit etwa 20 Prozent Einbußen rechnen er und Ernst-Andreas Schrader, Kreislandwirt für die Stadt Salzgitter. Rund um Salzgitter, Wolfenbüttel und Braunschweig kann das schon wieder ganz anders aussehen. „Die Flächen nördlich der A2 sind stärker betroffen. Ausnahmen bilden hier die Flächen mit Beregnung“, teilt das Landvolk mit. 

„Ja, es gibt Schäden, da brauchen wir uns nichts vormachen. Und es gibt Bereiche, da sind die Verluste sehr hoch. Je nach Standort kann das für einen Betrieb auch existenzbedrohend sein. Denn wir haben ja die gleichen Kosten und das Geld ausgegeben. Es wurde gesät, gedüngt und gespritzt. Das Geld ist weg. Aber das ist auch ein Risiko, das wir haben und auch kennen. Wichtig ist, dass man Reserven bilden kann und wie die anderen Ernten verlaufen. Am Ende kommt es auf den Durchschnitt der gesamten Ernte an. Aber sicher ist es für viele Landwirte bitter. Besonders für die, die nicht so breit aufgestellt sind und nicht so viele verschiedene Früchte angebaut haben oder hohe Pachten zahlen müssen“, so Kasinger, der in Salzgitter rund 100 Hektar Getreide, Raps und Rüben angebaut hat. 

Wie eine Ernte ausfällt sei immer von der Region abhängig. Davon, wie der Boden beschaffen ist und wie hoch die Niederschläge waren. Und in den Ernteertrag fließt auch ein, wie die Saat eingebracht worden ist. Ist das Aussähen der Saat im Herbst aufgrund der Boden- und Wetterverhältnisse schwierig, kann davon ausgegangen werden, dass auch die Ernte nicht so ertragreich wird, erklärt Ernst-Andreas Schrader. 

Trockene Böden und Pflanzen

Der Boden des Weizenfeldes ist rissig und trocken.

Die Trockenheit hat der Gerste zugesetzt. Aber die Ernte ist zu großen Teilen eingebracht und hat zu Einbußen geführt. In Salzgitter mit weniger Verlusten, anderorts in der Region mit sehr viel mehr. Als nächstes steht die Weizenernte an. In etwa drei bis vier Wochen sollte sie durch sein. Einsetzender Regen würde der Weizenernte nicht mehr helfen, so Kasinger. Starker Regen oder Überschwemmungen wie im vergangenen Jahr würden jedoch für einen Totalausfall sorgen. Das wäre der Super-Gau. Absehbar sei aber schon jetzt, dass auch die Weizenernte nicht ganz so gut ausfallen wird.

Ungleichmäßiger Reifegrad

Ernst-Andreas Schrader zeigt die Ähren einer Pflanze. Hier sieht man deutlich die Unterschiede.

„Wenn ein Acker vertrocknet, dann vertrocknet er nicht gleichmäßig“, so Kasinger. Die Problematik lässt sich gut erkennen, wenn man ein augenscheinlich reifes Feld genauer betrachtet. Es ist scheckig – die Pflanzen befinden sich in einem unterschiedlichen Reifegrad. Manche Pflanzen sind goldgelb und reif, andere noch grün und entsprechend feucht und unreif. Den richtigen Zeitpunkt für die Ernte abzupassen, sei wichtig aber nicht leicht, so Kasinger und Schrader. Denn während man darauf wartet, dass die noch grünen Ähren reif werden, vertrocknen die anderen Pflanzen. Einfach mähen, während einige Pflanzen noch grün sind, geht nicht. Allein das Mähen würde sich dann schwierig gestalten, da die unreifen Körner schlierig sind.  

Ernte just in time 

Hans Kasinger misst den Feuchtigkeitsgehalt des Weizen.

Eine punktgenaue Ernte ist also extrem wichtig. Genau dann, wenn der Feuchtigkeitsgrad stimmt, muss geerntet werden. Bevor das Wetter dazu führen kann, den Wert in die eine oder andere Richtung zu verändern. Der Feuchtigkeitsgrad sollte im Optimalfall bei 14 Prozent liegen. Dann lässt es sich am besten Lagern und der Ertrag ist am höchsten. Ist die Feuchtigkeit zu hoch, kann es schlecht gelagert werden oder muss getrocknet werden. Das wiederum ist mit Kosten verbunden. Sind die Körner zu trocken, bedeutet das Verluste in Qualität und Menge, so Kasinger. 

Um den Feuchtigkeitsgrad des Getreides zu messen, verfügt Hans Kasinger über ein eigenes Messgerät. Die zermahlenen Körner werden in diese Messstation gegeben und ausgewertet. Das wird zur Erntezeit mehrmals täglich gemacht. „In der Regel kann man sagen, dass sich bei trockenem und sonnigem Wetter der Wert pro Stunde um ein Prozent verändert. Wenn ich also um 11 Uhr messe und der Wert bei 17 liegt, kann man davon ausgehen, dass man gegen 14 Uhr anfangen kann zu mähen. Bevor man anfängt wird noch einmal gemessen, dann wird entschieden“, erklärt der Landwirt.

Regen für Mais und Rüben 

Mais, Raps und Rüben würden von Regen profitieren. Den Pflanzen würde die Feuchtigkeit gut tun. Wie die Ernte hier ausfallen wird, könne man jetzt noch nicht sagen, sagt Hans Kasinger.  „Wenn es jetzt anfängt langsam zu regnen, wäre das für die Rüben gut“, so Kasinger. Die Pflanzen seien jetzt in einem Stadium, wo Regen durchaus noch etwas bewirken könnte. 

Preise können Verluste ausgleichen

Was die Getreideernte angeht, hoffen Kasinger und Schrader, dass die Verluste durch steigende Preise aufgefangen werden können. 20 Prozent könnte man mit einer Preissteigung noch ausgleichen. Landwirte, die aber tatsächlich mit Einbußen von 60 Prozent oder mehr rechnen müssen, können das durch nichts kompensieren. „Sollte es so kommen, wie man stellenweise befürchtet, können wir hoffen, dass die Preise anziehen. Das kann in unserem Fall sicher etwas mildern. Aber 60 oder 70 Prozent Verluste kann man auch damit nicht abfangen“, so Kasinger.

Ernst-Andreas Schrader und Hans Kasinger schauen sich den Weizen an.

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