regionalHeute.de kritisiert Subventionen für Zeitungsverlage

21. November 2019 von
Traditionelle Papier-Tageszeitungen können in Kiosken, Tankstellen oder Bahnhofsbuchhandlungen gekauft - oder dem Abonnenten per Bote zugestellt werden. Doch das rechnet sich für die Verlage spätestens seit Einführung des gesetzlichen Mindestlohns nicht mehr. Daher soll die Zustellung von Zeitungen nach dem Willen der Regierungskoalition künftig mit Steuergeldern subventioniert werden. Symbolbild: pixabay
Region. Die durch den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages Ende letzter Woche beschlossene Förderung zur Zustellung von Tageszeitungen und Anzeigenblättern in Höhe von 40 Millionen Euro - allein für das kommende Jahr 2020 - wird vom geschäftsführenden Gesellschafter unserer Online-Zeitung, Marc Angerstein, als wettbewerbsverzerrend kritisiert.

Einen entsprechenden Antrag mit dem Ziel, einen flächendeckende Vertrieb mit Abo-Zeitungen und Anzeigenblättern zu unterstützen, wurde durch die  Koalitionsfraktionen von CDU/ CSU und SPD eingebracht. Angerstein bezeichnet diese Förderung in einem offenen Brief an die Bundestagsabgeordneten unserer Region als „rückwärtsgewandte Medienpolitik“. 

„Junge und moderne Menschen rezipieren ihre Nachrichten heute digital. Immer mehr auf dem Smartphone oder Tablet, nahezu in Echtzeit. Die Auflagenzahlen von Tageszeitungen sind seit langem rückläufig, die Kosten für ihre Zustellung steigen, nicht nur wegen des Mindestlohns. Aber es kann doch nicht Aufgabe des Steuerzahlers sein, mit steuerlichen Subventionen eine flächendeckende Versorgung von Papierzeitungen sicherzustellen“, so der regionalHeute.de-Geschäftsführer, der in seinem offenen Brief Vergleiche zu anderen Wirtschaftsentwicklungen der Neuzeit zieht.

Mediennutzung verändert sich

Er verstehe die zunehmenden Probleme der traditionellen Zeitungsverlage: „Ein flächendeckendes System von Zeitungszustellern aufrechtzuerhalten ist teuer. Es lohnt sich umso weniger, wenn die Abozahlen sinken und in einzelnen Dörfern nur noch wenige Zeitungen verteilt werden müssen. Der zu zahlende Mindestlohn pro Stunde bleibt auch bei geringfügig Beschäftigten gleich hoch.“

Aber die traditionellen Zeitungsverlage haben Angersteins Ansicht nach viel zu spät begonnen, ihre Geschäftsmodelle umzustellen. „Wir starteten mit unserer Online-Zeitung regionalHeute.de im September 2011, weil wir die Entwicklung der sich ändernden Mediennutzung vorhergesehen und eine Chance für die Gründung eines neuen und reinen Online-Verlags genutzt haben. Wir haben seither auch Probleme innerhalb unseres Geschäftsmodells, weil die uns tragende Werbewirtschaft auch noch nicht im erforderlichen Maße im digitalen Zeitalter angekommen ist“, schreibt Angerstein in seinem offenen Brief an die Bundestagsabgeordneten. Er rufe aber auch nicht nach Steuersubventionen, wie die Lobbyisten der traditionellen Zeitungsverleger.

Medienberichten zufolge, habe der Zeitungsverlegerverband BDZV die geplanten Steuersubventionen schon jetzt, vor dem möglichen Beschluss des Bundestages Ende November, als zu gering bezeichnet. 

645 Millionen Euro 

Bis jetzt ist unklar, wie hoch die Steuersubventionen wirklich ausfallen sollen. Der Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter (BVDA) nannte gegenüber dem Deutschlandfunk eine Summe von insgesamt 645 Millionen Euro, verteilt auf mehrere Jahre.

Die Verlage könnten mit einem Zuschuss pro zugestelltem Exemplar rechnen, heißt es in Medienberichten übereinstimmend. Die konkrete Fördersumme pro Exemplar solle davon abhängen, wie aufwendig die Zustellung tatsächlich sei. Dazu sollen Zustellgebiete in Stadt-, Land- und Mischregionen eingeteilt werden. Die höchste Förderung könnte es demnach für den ländlichen Raum geben, wo die Zustellwege länger sind. In diesem Zusammenhang verweist unser Online-Verleger Marc Angerstein aber auch auf die stetig zunehmende Zahl der Werbeverweigerer: „Immer mehr Menschen kleben nicht nur aus ökologischen Gründen ein Schild ‚Werbung einwerfen verboten‘ auf ihre Briefkästen. Wer will denn die vermeintlich monetär zu fördernde Zustellung am Ende kontrollieren?“ Werbung werde generell ungern wahrgenommen, ob in Print, Fernsehen, Radio oder online, so Angerstein. Aber neben Anzeigenblättern hätten auch andere Mediengattungen dieses Problem und müssten trotzdem ihr wirtschaftliches Überleben sichern.

Den offenen Brief unseres Geschäftsführers an die MdB unserer Region finden Sie ungekürzt und unkommentiert hier

Offener Brief an die MdB – „Rückwärtsgewandte Medienpolitik“

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